Dienstag, 21.09.2021
Ausflug in den Karst
Unsere Unterkunft in Triest haben wir ohne Frühstück gebucht. Wir können es jederzeit dazubuchen, müssen aber am Vorabend rechtzeitig Bescheid sagen. Gestern Abend haben wir uns wegen des Preises von 10 Euro pro Person und weil es kein Buffet ist dagegen entschieden, nun sehen wir, was wir verpassen: Auf einer Etagere wird den Gästen ein sehr appetitliches, liebevoll zusammengestelltes und garniertes Frühstück serviert.
Wir müssen uns anderweitig versorgen und ziehen in die Stadt. Doch keines der Cafés entspricht Steffens Vorstellungen und kann mit der Auswahl im Bahnhofscafé in Venedig mithalten. Nach längerem Suchen landen wir schließlich auf der Terrasse eines kleinen Cafés, sind aber mit dem Frühstück nur so mittel zufrieden.
Unser Plan für heute ist eine Tour in den Triestiner Karst mit Höhlenbesichtigung und kleiner Wanderung. Der Reiseführer empfiehlt die kabelgezogene Tram de Opecina, die eine reizvolle Fahrt in den Karst verspricht. Leider müssen wir feststellen, dass die gesamte Linie eingestellt wurde. Mithilfe des Internets und der Befragung eines Passanten bekommen wir heraus, welchen Bus wir statt der Tram nehmen müssen, wo er abfährt, was es kostet und wo wir die Tickets kaufen können. Wir entscheiden uns für die günstigen Tagestickets (4,60 Euro pro Person) und spurten zur Bushaltestelle, denn der Bus fährt nur alle 30 Minuten. Der Stadtbus ist relativ kurz. Der Grund leuchtet uns schnell ein, als er in flottem Tempo die schmalen und engen Serpentinen hoch brettert. Und ich dachte schon, italienische Autofahrer wären flott unterwegs.
Nach 30 Minuten erreichen wir unser erstes Ziel: die Grotta Gigante. Diesen Namen trägt sie aufgrund ihrer Höhe von 98,5 Metern. Neben der touristischen Nutzung finden hier auch seismische Messungen statt. Wir buchen Tickets für die geführte Tour, überbrücken die 15 minütige Wartezeit bis zur nächsten Führung in der kleinen Ausstellung und dann geht es los. Erst steigen wir 100 Meter hinab und später wieder hinauf. Die Höhe ist wirklich beeindruckend, aber sonst haben wir schon ähnliche Höhlen gesehen.
| Der Weg runter in die Grotta Gigante |
| Die beiden Schläuche in der Mitte schützen die seismischen Messinstrumente |
Der nächste Programmpunkt ist die Wanderung auf der Strada Napoleonica. Ein etwa 5 Kilometer (uns kam er deutlich länger vor) Wanderweg ohne große Höhenunterschiede oben entlang des Küstengebirges. Er führt vom Obelisken (bitte nicht zu viel erwarten, er ist ziemlich klein) am Rand von Opicina nach Prosecco (ja, der Ort heißt tatsächlich so). Der nächste Bus fährt nach Prosecco, also starten wir dort und wandern zum Obelisken. Vorher essen wir noch in einer kleinen Pizzeria zu Mittag, dann suchen wir den Startpunkt des Wanderwegs. Die Ausschilderung ist leider nur so mittel.
Bevor wir mit dem Weg beginnen, machen wir einen Abstecher zur monumentalen Wallfahrtskirche Santuario Nazionale a Maria Madre e Regina auf dem Monte Christo. Es ist pyramidenartiger Betonklotz, der von weitem aussieht, als hätten Aliens hier ein Raumschiff vergessen. Aber der Ausblick von dort ist beeindruckend. Man sieht über den gesamten Golf von Triest.
| Die Kirche von außen |
| und von innen |
| Blick auf den Golf von Triest |
Die Tour auf der Napoleonica bietet ebenfalls beeindruckende Aussichten. Aber es ist ziemlich warm heute, und wir sind froh, als wir endlich am Mini-Obelisken angekommen sind. Wir müssen noch ein bisschen auf den Bus warten, aber dann geht es wieder flott nach Triest zurück. Hier kaufen wir noch Getränke und ein paar Lebensmittel ein, und zwar bei ALDI. ALDI ist hier zwar noch ALDI, hat sich aber im Angebot sehr auf Italien eingestellt. Mitteln im Laden gibt es eine Cafébar mit frisch belegten Broten. Das hätten wir nun nicht erwartet. Ausgerüstet mit Wasser, Keksen und einer Familienpackung Taralli verlassen wir das Geschäft, bringen alles ins Hotel und ziehen dann wieder in die Stadt. Hier machen wir eine Pause und gönnen uns zwei große Eisbecher. Langsam fängt es an zu dämmern. Von der Mole (Molo Audace) haben wir einen wunderbaren Blick auf die Piazza dell´Unità d`Italia bei Sonnenuntergang.
| Die Napoleonica |
| Blick auf Leuchtturm und Bahntrasse |
| Unser Ziel, der Obelisk |
| Die Piazza dell´Unità d`Italia bei Sonnenuntergang |
Steffen hat wieder Hunger und wir landen gegen 19.45 Uhr im hippen 040 Social Food direkt am Canal Grande. Hier ist eine Menge los, aber wir ergattern noch einen Tisch, Steffen bestellt einen "Baby-Burger", ich halte mich an den ortsüblichen Aperitif.
Wie schon vorher in der Stadt sehen wir auch hier Gruppen junger Frauen, die (so sah es jedenfalls aus) ein Diplom feiern. Alle Diplomandinnen trugen einen großen Kranz aus Blättern auf dem Kopf, hatten einen großen Blumenstrauß dabei und hielten eine Mappe in der Hand.
Wir schauen noch eine Weile den Passanten zu, dann geht es zurück ins Hotel.